Es ist mir ein Anliegen, Menschen einen geschützten Raum zu ermöglichen, in dem sie ihren persönlichen geistlichen Weg bewusst betrachten können. In einer oft von äußeren Anforderungen geprägten Welt fehlt es vielen an Gelegenheiten, sich dem eigenen geistlichen Weg, den spirituellen Erfahrungen und inneren Bedürfnissen gezielt zuzuwenden. Genau hier setzt meine Motivation an: Ich möchte Menschen auf ihrer Suche nach Gott im ganz individuellen Erleben begleiten, um die eigene Spiritualität als lebendige Ressource und tragende Kraftquelle für ihr Leben und Arbeiten tiefer zu entdecken.
Spiritualität ist für mich kein abstraktes Konzept, sondern etwas, das im Alltag erfahrbar wird und gepflegt werden kann. Diese Quelle im eigenen Leben aufzuspüren, ihr nachzugehen und sie im Alltag zu integrieren, ist ein zentraler Bestandteil meiner Begleitung.
Während meines Studiums durfte ich im Rahmen eines Aufenthalts an der Gemeindefakultät in Oslo erfahren, wie bereichernd die bewusste Einbindung von Spiritualität im Studium sein kann. Besonders die sogenannten Retreat-Tage haben mich geprägt: Zeiten, in denen Studierende sich intensiv mit ihrer eigenen Spiritualität auseinandersetzten – in der Natur, in der Stille und in der Gemeinschaft. Die Ausbildung zur Geistlichen Begleiterin in der Communität Christusbruderschaft Selbitz hat inhaltlich an diese Erfahrungen angeknüpft und mir gezeigt, wie wertvoll es ist, Räume zu schaffen, in denen Glaube und persönliche Spiritualität Raum haben, erfahrbar werden und vertieft werden können.
Mit einer Haltung der Offenheit und des tiefen Respekts vor dem individuellen Lebens- und Glaubensweg jedes Menschen gehe ich in die Gespräche. Als evangelische Pfarrerin und geistliche Begleiterin bin ich selbst in den christlichen Traditionen des geistlichen Lebens verwurzelt, insbesondere in Kontemplation und Meditation.
Gleichzeitig begegne ich Menschen mit Wertschätzung und inneren Offenheit und einem ehrlichen Staunen über die unterschiedlichen Formen, in denen Spiritualität gelebt und erfahren wird. In meinem Dienst als Klinikseelsorgerin erlebe ich täglich, wie verschieden Lebensgeschichten, Prägungen und Glaubenszugänge sein können.
Eine Erfahrung in der Begleitung, die mich prägt, ist die Überzeugung, dass sich Gott im jeweiligen Leben ereignet und individuell erfahrbar wird. Dieses Geschehen entzieht sich oft unseren Vorstellungen und Konzepten. Es zeigt sich vielmehr auf ganz eigene Weise im Leben eines Menschen. Für mich wird darin spürbar: Gott ereignet sich im Leben der Menschen oft ganz anders und geheimnisvoll.
Diese Haltung des Staunens und Vertrauens prägt meine Begleitung. Ich möchte einen Raum eröffnen, in dem Menschen das, was sie trägt, bewegt oder auch verunsichert, frei zur Sprache bringen können.
So verstehe ich geistliche Begleitung als gemeinsames Unterwegssein: verbunden durch Gott, geprägt von Respekt und geleitet von dem Vertrauen, dass im Leben jedes Menschen eine eigene, bedeutungsvolle, heilige Spur erfahrbar ist.
Meine Spiritualität lebt aus einer doppelten Erfahrung: dem oft unscheinbaren, leisen Glaubensgefühl im Alltag – und zugleich aus tiefen, tragenden Erfahrungen eines Gottes, der auch in Grenzsituationen da ist und begleitet.
Wichtige Erfahrungsräume sind für mich leibliche Zugänge: in Bewegung und Körperlichkeit – etwa im Körpergebet, Yoga, beim Joggen oder Wandern – wird auch das Innere in Bewegung gebracht.
Ebenso tragen mich Texte, Musik und geistliche Lieder als Ausdruck von Glauben und Verbundenheit.
Zentral sind für mich Zeiten der Stille in Kontemplation und Meditation, besonders im Herzensgebet und in den Tagzeitgebeten. Prägend sind auch Einzelexerzitien im Schweigen, etwa in der Communität Christusbruderschaft Selbitz, im Haus Jalics oder im Kloster Volkenroda, ebenso wie das Wandern und Pilgern.
Auch kreatives, meditatives Gestalten – etwa mit Holz oder in der Malerei – eröffnet mir Zugänge zum Inneren.
Schließlich erfahre ich Spiritualität in ökumenischen Begegnungen, etwa in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und bei Christinnen und Christen im Gesundheitswesen: Dort wird spürbar, wie Menschen ihre Spiritualität teilen und sich auch jenseits institutioneller Grenzen begegnen.
Mein theologisches Profil ist tief in der kirchlichen Sozialisation des Erzgebirges verwurzelt. In einer von Frömmigkeit und Kirchenmusik geprägten Region haben mich Kurrende und Gemeindegesang früh geprägt und meinen Glauben emotional wie gemeinschaftlich verankert. Diese Erfahrungen wurden in der Jugendarbeit und in der Altenpflegearbeit vertieft, wo Gespräche über das, was Menschen innerlich trägt, meinen Zugang zur Seelsorge formten. Das Theologiestudium festigte und reflektierte diese gewachsene Glaubenspraxis. Diakonische Erfahrungen, vielfältige Gemeindekontexte und persönliche Trauerwege haben meinen Glauben weiter geprägt: als gelebte, zugewandte und lebensnahe Theologie, die besonders in Grenzsituationen trägt.
Ausbildung Geistliche Begleitung, Seelsorgeausbildung KSA, Ausbildung Hospizbegleitung, Fortbildung TZI