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Mit Farben und Pinsel durch die Bibel

Die Fragen stellte Julia Spliethoff

Malen, kleben, schreiben – und dabei Gott begegnen. Isabella Krahl nutzt Bible Art Journaling als eine besondere Form der Bibelbeschäftigung. Im Interview erzählt sie, warum es dabei nicht um das perfekte Bild geht.

Frau Krahl, was fasziniert Sie am Bible Art Journaling?

Beim Bible Art Journaling geht es nicht um das perfekte Bild, sondern darum, mit Gottes Wort in Resonanz zu treten. Es ist mein Rückzugsort im Alltag – ein Raum, in dem ich bewusst Zeit mit Gott verbringe.

Das heißt, bei dieser Methode ist der Weg das Ziel?

Genau. Natürlich freue ich mich, wenn mir das Ergebnis gefällt, aber das ist nicht das Entscheidende. Vielmehr geht es darum, im Moment zu sein und Kreativität als Ausdrucksform zu nutzen.

Hat das etwas in Ihrem Glaubensleben verändert?

Ja, sehr. Durch die kreative Auseinandersetzung gewinne ich neue Perspektiven, selbst auf vertraute Bibelstellen. Manche Worte verstehe ich heute viel tiefer. Ich spüre, dass meine Verbindung zu Gott dadurch gewachsen ist, weil ich seine Botschaft auf eine andere Weise erlebe.

Gilt das auch für Texte, die Ihnen zunächst schwer zugänglich sind?

Ja. Mit Pinsel und Farben nähere ich mich solchen Passagen auf eine meditative Weise. Ich erinnere mich an eine Stelle, in der es heißt: „Gott ist treu“. Eigentlich ging es im Text um ein anderes Thema, aber durch das Gestalten hatte ich ein intensives Zwiegespräch mit Gott über seine Treue. Das war ein besonderes Erlebnis.

Wie wählen Sie die Bibelstellen aus?

Das ist unterschiedlich. Manchmal bleibt mein Blick beim Blättern an einem Vers hängen. An anderen Tagen habe ich ein bestimmtes Thema im Kopf und suche gezielt danach. Manchmal schlage ich einfach eine leere Seite auf, schreibe ein Gebet hinein – und stelle später fest, dass es genau zum Text daneben passt.

Einige sagen, dass Malen in der Bibel respektlos sei. Was denken Sie darüber?

Ich benutze eine spezielle Journaling-Bibel mit breiteren Rändern und dickeren Seiten. Meine Lesebibel bleibt unberührt. Mir geht es nicht darum, die Schrift zu verändern, sondern sie tiefer zu erfassen. Das Gestalten ist eine Vertiefung der Auseinandersetzung mit dem Text, nicht deren Ersatz.

Woher nehmen Sie Inspiration für Ihre Gestaltung?

Je mehr ich kreativ bin, desto mehr fließt die Kreativität. Natürlich lasse ich mich auch auf Social Media inspirieren. Dort gibt es beeindruckende Arbeiten, aber sie können auch einschüchternd sein. Ich muss mich immer wieder bewusst vom Vergleichen lösen. Die Seiten, die ich nur nachgestaltet habe, sind nicht die, auf denen ich in einen Dialog mit Gott getreten bin.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie mit dem Ergebnis unzufrieden sind?

Ich arbeite gerne mit Collagen – da kann ich einfach alles überkleben. Auch mit Acrylfarben lassen sich Dinge Schicht für Schicht ändern. Aber es gab auch einen Moment, in denen ich mit einer Seite gar nicht zufrieden war. Heute ist sie meine Lieblingsseite, weil sie mich daran erinnert, dass ich damals nur meinen Perfektionismus gesehen habe. Das hat mir viel über mich selbst gezeigt. Manchmal steckt in der Unvollkommenheit eine tiefere Botschaft.

Wie kann man mit dem Journaling beginnen?

Ein guter Einstieg ist der eigene Taufspruch oder Konfirmationsvers. Zum Gestalten braucht man kein teures Material – Wasserfarben, Fineliner, Washi-Tape oder alte Zeitschriften reichen völlig. Man kann auch erst einmal Bibelverse kopieren und ausprobieren, bevor man eine Journaling-Bibel kauft. Wichtig ist: Es geht nicht um Perfektion. Mich befreit das sehr, denn ich weiß, dass meine Seiten nie perfekt sein werden – und das erwartet Gott auch nicht von mir.

Isabella Krahl

arbeitet seit fast acht Jahren als Pfarramtssekretärin im Landkreis München. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit dem Bible Art Journaling und gibt Workshops und Seminare zu dieser kreativen Methode der Bibelarbeit.

Ich lese einen Bibeltext, den ich schon lange kenne. Fast in- und auswendig. Was will ich hier noch Neues entdecken?